Fauchen du nicht sollst!
Wer seinen Code beispielsweise überhaupt nicht einrückt oder dümmlich-seltsame Variablennamen wählt, darf unter der Annahme eines modernen Entwicklungssystems nicht mit Beifall vonseiten irgendeines Entwicklers rechnen – über die Frage, ob strategisch platzierte Gotos die Codelänge reduzieren und somit zu mehr Lesbarkeit beitragen, lässt sich insbesondere mit Embedded-Entwicklern lang und kontrovers diskutieren.
Als „Tunfach“ ist Programmieren eine jener Fähigkeiten, die sich durch permanente Anwendung am effizientesten verbessern lässt. Karl Beecher startet deshalb mit einem gelungen zynischen Ausritt gegen all jene, die in ihrer Freizeit (im Team) an für sie interessanten Aufgaben arbeiten.
Schon hier zeigt sich der – nach Ansicht des Rezensenten gelungene – Stil des Buchs, der insbesondere Leser mit schwarzem Humor befriedigen dürfte. Der Gutteil des Buchs animiert dazu, ein so unfähiger Programmierer wie möglich zu werden; an Codebeispielen spart der Autor nicht. Nur in kurzen, mit der Überschrift „Thumbs Down“ bezeichneten Abschnitten verhält sich das Buch wie ein klassisches Lehrbuch: Anhand verschiedenster Referenzen illustriert der Text hier, wie und wieso sich „korrekte“ Vorgehensweise positiv auf die Codequalität auswirkt.
Objektorientierter Terrorismus und mehr
In dieser humorvollen Weise geleitet der Autor den Leser danach durch verschiedenste Aspekte des Codedesigns. Die Überlegungen zu Schleifen und Selektionen sind interessant; die vorgestellten Antipatterns animieren zumindest zur Auseinandersetzung mit der Syntax der verwendeten Sprache und dem eigenen Codierverhalten als Ganzes.
Insbesondere autodidaktisch ausgebildete Programmierer haben mit der korrekten Anwendung von OOP-Bauelementen ihre liebe Not. Ab der Mitte des Buchs wendet sich der Fokus in Richtung Modularisierung und klassischer Objektorientierung – Themenkreise, in denen man mit falscher Anwendung der syntaktischen Möglichkeiten ordentlich Schaden anrichten kann. Testen und die erfolgreiche Suche von (immer vorhandenen) Fehlern im Programm runden diesen Teil ab.
Künstliche Abfallerzeugung
Die zweite Auflage des 2018 zum ersten Mal erschienenen Buchs unterscheidet sich vom Vorgänger durch ein umfangreiches weiteres Kapitel, das die diversen bei der Arbeit mit KI-Codiersystemen zu beachtenden Antipatterns bespricht. Die hier gezeigten Methoden sind – wie der Rest des Buchs – system- beziehungsweise sprachenagnostisch; dass Tricks wie das iterative Verbessern des Codes und die sorgfältige Formulierung eines genauen Prompts universell zu brauchbaren Ergebnissen führen, ist nicht absprechbar.
Zur Finalisierung findet sich im Buch dann noch ein Appendix mit Online- und Offlineressourcen zu den verschiedenen besprochenen Themen. Diese helfen bei der eigenmächtigen weiteren Beschäftigung mit Fachgebieten, die der Leser als relevant erachtet.

Titel: Bad Programming Practices 101
Autor: Karl Beecher
Seiten: XXII, 235
Verlag: Apress
Jahr: 2. Aufl., 2026
ISBN: 979-8-8688-2505-7
Fazit
Wer ein gut lesbares Buch sucht, das sich quasi nebenbei positiv auf die Codierfähigkeiten des Lesers auswirkt, wird den Kauf von „Bad Programming Practices 101“ mit Sicherheit nicht bereuen. Dank des kompakten Formats taugt es besonders als Geschenk für die berüchtigte Person, die schon alles hat – die lustig-bissige Schreibweise zaubert selbst Humorbefreiten ein Lächeln auf die Lippen.