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Leserbrief von M. Rösch zu A. Frankes Artikel „Der Microservice-Trade-off“

Conways Law kann man auch positiv interpretieren und danach handeln, Amazon ist damit sehr schnell sehr groß geworden

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Martin Rösch

Informatiker und Softwarearchitekt


  • 14.04.2026
  • Lesezeit: 3 Minuten
  • 40 Views

Der Artikel „Der Microservice-Trade-off“ist eine schöne Übersicht über dieses wichtige Thema. Danke.

An einer Stelle ist mein Lesefluss aber hängen geblieben. Diese Stelle war Conway’s Law. Und dort besonders der letzte Satz der Bildbeschreibung: „Bestehende Organisationsstruktur ist ein schlechter Treiber für Softwarearchitektur“.

Ich kann mir gut vorstellen, wie dieser Eindruck bei Ihnen entstanden ist. Und ich habe auch nicht die Absicht, dagegen zu reden. Ich möchte Sie nur – ergänzend – auf eine Situation aufmerksam machen, die für mein Denken über das Verhältnis von „Physischer Realität <– –> Kognition <– –> Software“ einen dauerhaft prägenden Einfluss hatte und die auch – jedenfalls meiner Meinung nach – sehr (kann man gar nicht groß genug schreiben) große wirtschaftliche Konsequenzen hatte.

Was ich damit meine? Das sogenannte „Big Mandate“, das Jeff Bezos um das Jahr 2000 herum bei Amazon ausgegeben hatte. Darüber berichtet ein „API Evangelist“. Mit dieser Anweisung hat Jeff Bezos das glatte Gegenteil von dem getan, was heute als gängige, aber negative Interpretation (vermeiden!!!) von Conway’s Law in Softwarearchitektur-Kreisen zirkuliert:

Ich lese das „Big Mandate“ an Amazon-Entwickler als eine ausdrückliche Aufforderung, die Strukturen von Softwaresystemen genau entlang der vorhandenen Kommunikationsstrukturen auszurichten. Wobei natürlich unterstellt wird, dass diese Team- beziehungsweise Organisations-Strukturen selbst auch gut funktionieren.

Vielleicht sollten wir gar keine Informationssysteme mehr bauen, die nicht genau in den vorhandenen gedanklichen Strukturen ihrer Anwender gegründet sind. Damit sie zum Beispiel klar und eindeutig verantwortet werden können. Aber ich sehe: Das führt jetzt zu weit. Das wäre ein neues Thema, das in Richtung „Digitale Zwillinge“ zeigt.

Martin Rösch

—————————— Antwort von Arnold Franke (11.12.2025) ——————————

Hallo Herr Rösch,

vielen Dank für Ihr Feedback und für dieses tolle Gegenbeispiel! Ich finde das sehr interessant und werde mich da mal einlesen. Es ist eine schöne Erinnerung daran, dass es trügerisch sein kann, vorherrschende Meinungen als absolut anzusehen.

Viele Grüße

Arnold Franke

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Martin Rösch

Informatiker und Softwarearchitekt
Zu Inhalten

Martin Rösch ist Informatiker, Softwarearchitekt und seit 1992 ein Fan der Objektorientierung. Heute weiß er auch, warum: Weil sie menschliches Wissen ins Zentrum stellt. Er meint, dass Informatik und Wissensmanagement nur zusammen Werte schaffen können: künstliche (KI) und natürliche Intelligenz (NI) im Verbund. E-Mail: martin@roesch.com


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